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Gottes Hände halten mich!
Gottes Hände halten mich
"Ein halbes Jahr ist sie alt und genießt es, auf den Armen des Vaters zu fliegen. Es geht kopfüber und kopfunter. Manchmal lässt er sie ein stück fallen, fängt sie wieder auf und wird mit einem Auflachen belohnt. Es macht ihnen beiden Spaß, so miteinander zu spielen. Der Schnuller ist längst aus dem Mund gefallen, man sieht noch, wo er am Halstuch festgemacht ist. Sie schaut in die Ferne - was kann es schon Bedrohliches geben, wenn man so gut gehalten ist? Sie hat keinen Zweifel, dass die Arme des Vaters stark genug sind.
"Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, ihm ist auch die Ewigkeit. Und sein Eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich ..."
So wird im Kindergarten gesungen und in der Kirche. Das will ich mitsingen, das will ich glauben, jeden Tag, jede Stunde: Gottes Hände halten mich. Auch wenn es manchmal drüber und drunter geht, auch wenn ich manchmal nicht weiß, wo oben und unten ist - ich werde aufgefangen, ich bin gehalten.
Auch wenn ich vor lauter Bäumen, den Wald nicht mehr sehe, wenn wieder mal alles "zu" ist und ich mich mit allerlei "Tröstern" beruhigen will - ich bin gehalten. Auch wenn ich falle - im wörtlichen oder übertragenen Sinn -, ich bin gehalten. Meine Abstürze enden in Gottes Armen.
Ich stelle mir vor: Er trägt mich auch gern mal huckepack oder unter den Armen. Dabei gibt es schon mal einen blauen Fleck, aber so ist das, wenn man sich nah kommt. Und das alles nur, weil er sich freut, dass ich da bin, und mich so gern in seinen Händen hält - und mich zu mehr vertrauen und Gelassenheit locken will."
Helmut Flender

Lernen wir doch (neu) diese Zuversicht und dieses Vertrauen. Lassen wir doch dieses Lied:
"Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, ihm ist auch die Ewigkeit. Und sein Eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich ..." zu unserem persönlichen Leitspruch werden und danach leben.
Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit.
Und sein eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan.

„Mein Gott!“ Das könnte auch heißen: Ich rede von einem Gott, der mir gehört. Den ich besitze. Den ich notfalls in die Tasche stecken kann. Den ich immer unter Kontrolle behalte. Den ich vielleicht gar nicht so ganz ernst nehme. Aber in dem Lied heißt „Mein Gott“ etwas anderes. Dieser Gott will für mich da sein. Ich kann ihn „meinen Gott“ nennen, nicht weil er mir gehört, sondern weil ich ihm gehöre: „Und sein eigen bin auch ich!“
Wie kann man Kindern klarmachen, wer Gott ist? Wie können wir selber uns immer wieder vor Augen halten, wie groß Gott ist, wie wenig wir IHN in der Hand haben können? Unser Lied gibt eine einfache und doch wahre Antwort: „Meinem Gott gehört die Welt.“ IHM gehört alles, das Himmelszelt, Raum und Zeit und sogar die Ewigkeit.
Kinder bauen sich ja gern Häuser unter einem Tisch mit einer Decke drüber, sie wohnen gern einmal in einem Zelt, das eng und kuschelig gemütlich ist. Wenn der Himmel wie ein Zelt beschrieben wird, das über uns ausgespannt ist, dann wohnen wir auch in unserer Welt geborgen wie in einem Zelt. Allerdings ist ein Leben im Zelt auch etwas Vorläufiges - das Wort erinnert uns auch daran, dass wir auf unserer Erde nur Gäste sind. Aber wessen Gäste sind wir auf Erden? Wir sind Gottes Gäste, denn IHM gehört alles, was wir erfassen können mit unseren Vorstellungsmöglichkeiten in Raum und Zeit. IHM gehört sogar das, wo unser Verstand nicht mehr hinreicht - nämlich das, was wir mit dem Wort Ewigkeit meinen: eine Wirklichkeit, die Zeit und Raum umschließt und umgreift, und die dennoch unendlich über all das hinausgeht, was wir Menschen kennen und erkennen können.
Wie schön ist es, von dem großen Gott, dem die ganze Welt und sogar die Ewigkeit gehört, im gleichen Atemzug sagen zu können: „Und sein Eigen bin auch ich!“ Das ist fast unbegreiflich: Dem unendlich großen Gott sind wir winzig kleinen Menschen wichtig! Wir gehören IHM, wir gehören zu seinem Plan, wir stehen in seiner Hand genau wie alle die großen Sonnen, die wir am Himmel sehen, und die für unsere Augen von weitem wie kleine Sternlein aussehen: „Gottes Hände halten mich gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan.“ Ist es nicht ein Wunder, dass sich zum Beispiel unsere Erde auf einer immer gleichen Bahn um die Sonne bewegt? Sie kommt der Sonne nicht immer näher und muss nicht verbrennen. Sie fliegt auch nicht immer weiter von ihr weg und muss nicht in Eis erstarren. Sterne und Planeten behalten ihre Bahn, ja, alles in der Welt Gottes richtet sich nach bestimmten von Gott geschaffenen Gesetzen.
Man kann sich natürlich fragen: Stimmt das denn überhaupt? Kann man einfach so voll Gottvertrauen sagen: Gott hat einen Plan mit der Welt, und nichts fällt aus Gottes Plan heraus, kein Stern und auch kein Mensch? Beweisen kann man das ja nicht. Aber trotzdem ist es möglich, so auf Gott zu vertrauen. Man kann um ein vertrauensvolles Herz bitten. Man kann sich seelsorgerliche Hilfe suchen, um Stolpersteine auf dem Weg zum Glauben aus dem Weg zu räumen. Man kann einfach mal so tun, als ob es stimmen würde, was die Bibel sagt, und dann schauen, was für Erfahrungen man mit dem Gottvertrauen macht.
"Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit. Und sein Eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan."
"Wo ich bin, hält Gott die Wacht, führt und schirmt mich Tag und Nacht;über Bitten und Verstehn muss sein Wille mir geschehn."
Wonach sehnen sich Menschen, die in unserer Welt immer verletzbar sind und nie völlig gesichert leben können? Zum Beispiel danach, in Sicherheit leben zu können, ohne von Gefahren bedroht zu sein. Kinder, die sich von ihren Eltern behütet wissen, kennen das Gefühl: Es mag draußen gewittern und stürmen, aber bei meinen Eltern bin ich trotzdem geborgen. Es mag etwas Schlimmes passieren, aber es ist jemand da, der mich in den Arm nimmt und tröstet. Das Lied sagt etwas Ähnliches von Gott:
„Wo ich bin, hält Gott die Wacht, führt und schirmt mich Tag und Nacht.“
Ich glaube, es ist wichtig, hier genau hinzuhören und hinzuschauen. Gott wird nicht als der allmächtige Zauberer dargestellt, der alle Probleme aus dem Weg räumt und ein Leben ohne Not und Schmerzen ermöglicht. Die Bilder der Nachtwache und des Führens und Schirmens stammen vielmehr alle aus unserem ganz einfachen menschlichen füreinander sorgen und aufeinander achten. Gott wird mit einem Nachtwächter verglichen, der sorgsam auf uns achtgibt und vor Gefahren warnt. Er führt uns, so wie vielleicht eine Mutter ihr Kind an der Hand nimmt, das laufen lernt, oder wie ein Vater seinem fast erwachsenen Sohn die ersten Fahrversuche auf dem Verkehrsübungsplatz ermöglicht. Er schirmt uns, so wie einer bei starkem Regen den Regenschirm über den andern hält. Den Regen kann man mit einem Schirm zwar nicht beseitigen, aber er kann doch verhindern, dass man pitschnass wird.
Ich denke bei diesem Wachen, Führen und Schirmen an Jesus, der sich ganz menschlich um Menschen gekümmert hat, die sich ihm anvertrauten.
Es mag sein, dass wir durch viele Zweifel hindurch auch immer wieder spüren, dass ganz zuletzt uns doch nur das passieren wird, was Gott wirklich mit uns vorhat:
„Über Bitten und Verstehn muss sein Wille uns geschehn.“
Wir verstehen oft die Wege nicht, die Gott uns führt, warum er uns z. B. einen geliebten Angehörigen wegnimmt, warum z. B. ein misshandeltes Kind in seiner eigenen Familie über viele Jahre fürchterlich leiden muss, oder warum durch Krieg oder Hass oder Hunger immer wieder Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Aber wir müssen trotzdem nicht aufhören, unsere Wünsche und unsere Klagen im Gebet vor Gott zu bringen. Wie Gebete erhört oder erfüllt werden, das steht nicht mehr in unserer Macht. Aber selbst in allerschlimmsten Zeiten haben Menschen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Gott selbst aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann. Es ist nicht leicht, immer daran zu glauben, dass der Wille Gottes das allerletzte Wort in der Welt haben wird. Aber es ist gut, einen solchen Glauben einzuüben.
Woran nun ist die tagtägliche Fürsorge Gottes für uns Menschen ablesbar?
"Täglich gibt er mir das Brot, täglich hilft er in der Not, täglich schenkt er seine Huld und vergibt mir meine Schuld."
Dass wir Brot bekommen, ist Gottes Wille. Dabei ist unter Brot alles zu verstehen, was wir zum Leben nötig brauchen, nicht nur Essen und Trinken, auch Kleidung und Wohnung, bis hin zu menschlicher Wärme und Anerkennung. Ebenso will Gott, dass wir täglich Hilfe in der Not erfahren - wie gesagt:, meist auf ganz menschliche Weise, indem wir Begleitung erfahren, auch wenn eine Not nicht beseitigt werden kann. Das Wort „Huld“ steht als altertümlicher Ausdruck für Gottes Liebe, die ganz umsonst einfach so jeden Tag für uns da ist. Und ein ganz wichtiger Ausdruck seiner Liebe ist die Sündenvergebung. Wir sind vor Gott für das verantwortlich, was wir tun und lassen, und ohne die Vergebung dessen, was wir falsch gemacht haben, könnten wir gar nicht leben.
"Lieber Gott, du bist so groß, und ich lieg in deinem Schoß wie im Mutterschoß ein Kind: Liebe deckt und birgt mich lind."
Diese Strophe drückt am meisten das Gefühl der Geborgenheit aus, das ein Kind Gott gegenüber empfinden kann. Was heißt denn „lind“, was heißt denn „birgt“? fragt bei dieser Strophe vielleicht ein Kind. Und dann kann man es ganz fest in die Arme schließen und ihm sagen: So ist das, wenn man ein Kind in seinen Armen birgt. Und man kann es zart streicheln und sagen: dieses Zarte, Sanfte, Schöne beim Streicheln, das nennt der Dichter „lind“.
"Leb ich, Gott, bist du bei mir, sterb ich, bleib ich auch bei dir, und im Leben und im Tod bin ich dein, du lieber Gott!"
Unser kindgemäßes Lied klammert auch die harte Wirklichkeit des Todes nicht aus. Ein Gedanke des Paulus wird hier aufgegriffen: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Oft wird Kindern ja gesagt, wenn z. B. die Oma gestorben ist: Jetzt ist sie bei Gott. Die Toten kommen zu Gott. Dadurch entsteht oft der falsche Eindruck, als ob Gott ein Gott der Toten sei und der Himmel ein Ort nur für Tote. Das ist aber bestenfalls nur die halbe Wahrheit. Denn unser Lied drückt es viel klarer aus: Schon jetzt in unserem Leben ist Gott doch bei uns. Er ist zwar unsichtbar, aber er ist doch ganz wirklich mit seiner Liebe und Begleitung immer da. Diese Welt gehört ihm tatsächlich, und er ist nicht erst nur für den Himmel zuständig. Umgekehrt ist es: Der Himmel Gottes fängt hier bei uns überall da schon an, wo wir Liebe, Vertrauen und Hoffnung unter uns wachsen und gedeihen lassen.
Wenn ein Mensch wirklich sterben muss, dann allerdings hört noch längst nicht alles auf. Gottes Liebe hält uns weiterhin fest. Wir bleiben bei Gott, wenn unser Leben IHM gehört, wir Vergebung haben, auch wenn wir sterben. Mehr müssen wir über das ewige Leben gar nicht wissen. Das genügt, um getrost leben und irgendwann auch sterben zu können.
Im Leben und im Tod gehören wir Gott, mit diesem Gedanken schließt das Lied. Es knüpft damit am Anfang wieder an: „Meinem Gott gehört die Welt“ - „und im Leben und im Tod bin ich dein, du lieber Gott!“ Gott, der liebende Vater, kann nur mein Gott und unser Gott sein im Leben und im Sterben, wenn uns klar ist, dass wir umgekehrt ihm gehören. Ohne JESUS könnten wir nicht leben. IHM verdanken wir alles. ER beschenkt uns mit Vertrauen, mit Liebe, mit Hoffnung. ER will, dass unser Leben gelingt.
"Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, ihm ist auch die Ewigkeit. Und sein Eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich ..."

Dory
05.09.2010

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